Oh, armes Deutschland! Welch ein Graus, dass das mit Griechenland immer noch kein Ende nimmt. Nun sollen wir noch mehr Geld für die ausgeben. Die Banken müssen auch noch unterstützt werden, dabei sollen doch die UNS unterstützen, damit wir den Konsum und die Wirtschaft noch mehr ankurbeln können.
Wir wundern uns, wie es kommen kann, dass niemand die Staatsschulden der anderen EU-Länder vorher bemerkt hat, dabei ist das Überziehen der Kreditkarte doch heute schon Gang und Gebe und überhaupt kein Frevel mehr. Im Gegenteil – es bringt den Banken die Überziehungszinsen in Wucherhöhe.
Aber was mich echt geschockt hat, war ein Kommentar den ich in einem Jobcenter aufgeschnappt habe. Die Behauptung Harzt IV- Empfänger würden auf hohem Niveau jammern, denn von dem Geld, das sie bekommen – seit Anfang des Jahres ja immerhin 374,-€ und Wohngeld –könne man doch gut leben. Sogar ins Kino kann man davon angeblich mal gehen, wenn man – Achtung, Originalwortlaut – sich von einigen seiner Versicherungen trennt. Wenn also sich jemand zu Zeiten Vollbeschäftigung einige Versicherungen geleistet hat – und Versicherungen sind ja snahezu Pflicht in unserem Land – hat man sich also einen übertriebenen und unnötigen Luxus geleistet?!
Versicherungen sind also Luxus?! Aber was ist denn mit den Versicherungen für eine gesicherte Altersvorsorge? Sind wir da nicht vor ein paar Jahren alle geradezu aufgerufen worden? Los Leute riestert Euch sicher, sonst seht Ihr im Alter echt alt aus. Schade nur, wenn man zu den „nicht arbeitslosen“ Sozialhilfeempfängern gehört, die von ihrem Mini-Lohn nichts mehr zur Seite legen können. Oder zu den Hartz IV-ern, die gerne arbeiten würden, wenn sie einen lohnenswerten Job bekommen könnten. Im Idealfall auch noch dann, wenn man die 50 überschritten hat.
Und überhaupt, da fiel doch gerade diese Woche auch das Wort „Kinderarmut“. Klingt so nach Dritte Welt und Hunger und Elend. Aber doch nicht bei uns! Die Kinderarmut sinkt! Toll, hört sich ja prima an, in einem Land, das trotz Wirtschaftskrise ganz gut dasteht und doch tatsächlich noch immer von Wirtschaftswachstum spricht. Nur keiner spricht von sinkenden Kinderzahlen. Niedrigere Geburtenrate, weniger Kinder, die arm sein können. Und schon stimmt so´ne Statistik doch ungemein optimistisch. Würde man nicht weiterdenken – denn weniger Kinder heute, heißt weniger arbeitende Bevölkerung morgen, heißt weniger Menschen, die für die Rentner von übermorgen aufkommen können. Es sei denn, die konnten sich so viel für die Altersvorsorge zurücklegen, dass sie in einigen Jahren „freiwillig“ auf ihre Rente verzichten müssen, wegen zu guter Rücklagen. Schließlich müssen Sozialhilfeempfänger ja auch erst mal an all ihre Rücklagen, ehe andere aufkommen müssen.
Aber es wird nicht nur gejammert, es wird auch gemeckert. Schon mal einen Blick in die diversen Internetforen geworfen? Da wird doch über die Sozialschmarotzerhergezogen, als würde sich jeder Mensch in der Nähe der Armutsgrenze auf Kosten anderer durchfüttern lassen.
Wie viele Leute solidarisieren sich eigentlich, wenn Arbeitnehmer auf die Straße gehen um für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes oder gerechten Lohn zu demonstrieren? „Nee, lass mal…heute nicht,… ist so schlechtes Wetter,…betrifft mich ja auch gar nicht,…und außerdem wollte ich noch zum Shoppen!“ Und fünf Wochen später meckern sie über die 200 neuen Arbeitslosen, deren Betrieb dicht gemacht hat und die sie mit ihren Steuergeldern und Sozialabgaben mitfinanzieren müssen.
Soll ja keiner die ganze Welt retten, aber vielleicht hilft´s mal, sich umzusehen und die Menschen zu bemerken, die keine Zeit zum Klagen und jammern haben, weil sie sich um wichtigere Dinge kümmern müssen. Um´s nackte Überleben zum Beispiel. Nicht bei uns, selbst unsere Ärmsten haben jeden Tag zu Essen, aber…
Ich will hier keinem zu nahe treten, aber fair trade ganz frei übersetzt könnte ja auch schon bei uns mal mit fairem Umgang untereinander beginnen. Werde ich jetzt auch tun, …und meine Zeit wieder meinen Lieben widmen.
SiZe